Unerschöpfliche musikalische Energie, Published: Nov 4, 2008

Published: 04.11.2008

Unerschöpfliche musikalische Energie


HOFHEIM (red) – Mit einem wunderbaren, von unerschöpflich musikalischer Energie geprägten Konzertprogramm gastierte in Zusammenarbeit mit der Musikschule Hofheim – Akademie das Arcas-Trio am vergangenen Sonntag im Stadtmuseum Hofheim.

In dem nach dem spanischen Komponisten und Gitarristen Julián Arcas (1832 bis 1882) benannten Trio haben sich die Hofheimer Flötistin Betty Nieswandt, die New Yorker Cellistin Maxine Neuman und der Kasseler Gitarrist Peter Ernst zusammengefunden. Die Tatsache, dass immer wieder solch hochkarätige, international tätige Künstler in Hofheim auftreten, kann man für die Kultur in der Kreisstadt durchaus als Glücksfall bezeichnen.

An diesem Abend war jederzeit zu spüren, wie sehr das Publikum die Vorträge der drei Musiker genoss. Das geschmackvoll ausgesuchte Programm, das nie Längen kannte, wurde in zwei Teilen vorgetragen. Ihnen voran stand jeweils ein Werk aus der Barockzeit: die Triosonate h-moll von Jean-Baptiste Loeillet sowie die Sonate a-moll für Flöte und Gitarre von Michel Blavet, die beide mit fein nuancierter Klangbalance, geschmackvollen Verzierungen und lebendiger Artikulation interpretiert wurden. Ihnen folgten dazu kontrastierend moderne Werke US-amerikanischer Komponisten. Mit “Journal” des 1948 geborenen Allen Shawn und dem “Trio del Gatto” von Allen Cohen (Jahrgang 1952) kamen zwei Werke zur Aufführung, die auf Grund ihrer Ausdrucksstärke und ihrer gemäßigt frei tonalen Tonsprache dem Ohr des Zuhörers eher schmeicheln als es reizen. Im Falle von gatto- das italienische unterscheidet nicht zwischen Kater und Katze – handelt es sich um den Kater des Komponisten. Die Komposition zeichnet den Charakter des Tieres so plastisch nach, dass man es vor sich miauen, sich langweilen, herum tollen und spielen sieht. Ein gelungenes Stück Musik, dem man, nachdem es in Hofheim weltweit erst zum zweiten Mal erklungen ist, noch viele Aufführungen wünscht. Wie phantasievoll zeitgenössische Komponisten mit außermusikalischen Sachverhalten umgehen können, zeigte auch die Sammlung “Journal”, einem musikalisches Tagebuch. Allen Shawn beschreibt hier neun Tage im Leben eines New Yorkers. Ob eines solchen Titels erwartungsvoll wurde man nicht enttäuscht: sonntägliches Relaxen, allmontägliche Geschäftigkeit und Hektik, der im Crash endende Donnerstag oder die Niedergeschlagenheit nach einer Woche voller Stress, alle Stimmungen überträgt der Komponist so deutlich in sein Werk, dass man diese neun Tage im Zeitraffer selbst miterlebt. In den teilweise sehr bewegten, rhythmisch vertrackten Stücken bewiesen die drei Künstler ihre Meisterschaft im Zusammenspiel.

Vor der Pause erklang wieder Französisches: “Pièce en forme de Habanera” (Maurice Ravel), “Golliwogg´s Cakewalk” (Claude Debussy) für Gitarre und Cello sowie “Deux Interludes” (Jaques Ibert) für Trio. Während Maxine Neuman mit feinem Bogen, anrührend sangliche Kantilenen nachzeichnete, bewies Peter Ernst die ganze Kunst des Akkordspiels auf seiner wohlklingenden Gitarre. Bei Ibert gesellte sich dann noch Betty Nieswandts stets blitzsauberer, runder Flötenton dazu. Mit zwei Werken von Astor Piazzolla, “Tanti Anni Prima” und “Libertango”, sollte schließlich das schöne Konzert enden. Die drei Musiker zogen erneut alle Register ihres Könnens: sorgsam bedachte Dynamik, glasklare Harmonien und packendes Temperament übertrugen Weltschmerz und Leidenschaft von Piazzolla´s Musik. Dazu spiegelten – wie das ganze Konzert über – die Minen von Betty Nieswandt, Maxine Neuman und Peter Ernst wider, wie viel Spaß die drei an ihrem gemeinsamen Tun haben. Dass sich dies auf das Publikum übertrug, ist müßig zusagen. Das von lateinamerikanischem Temperament angeheizte Auditorium erklatschte sich folgerichtig eine Zugabe. Ein recht wienerisch daher kommender Walzer des durch seine Ragtimes berühmt gewordenen amerikanischen Komponisten Scott Joplin beschloss einen herrlichen Abend, der unter Beweis stellte: Musik ist ein Ereignis. Wer nicht gekommen war, müsste es bereuen.